VIER KLIMAZONEN – 365 TAGE IM JAHR

Als es hieß, dass es als Belohnung für das erste gemeisterte Jahr des Masters nach Lateinamerika gehen soll, war ich völlig aus dem Häuschen. Ich selbst wäre wahrscheinlich nie aus meiner Schale gekommen, um mich mal in die Tropen zu bequemen. Das anstehende Praktikum meiner damaligen Partnerin und heute immer noch sehr guten Freundin, Maren, brachte mich also dazu, sie für mehr als drei Wochen durch das wunderschöne Costa Rica zu begleiten. In Zusammenarbeit mit Sixt Costa Rica und dem wunderbar hilfsbereiten Ansprechpartner Paul vor Ort konnten wir uns mit unserem Studentengehalt sogar einen Mietwagen leisten.

Bevor es nach Costa Rica geht, sollte man sich darüber klar sein, wie unglaublich teuer dieses Land tatsächlich ist.

Urlaub in Costa Rica ist also nicht so günstig, wie man es sich vielleicht vorstellen mag – nun es sei ihnen allerdings auch gegönnt für ein solch wunderschönes Land, in dem fast ein Drittel der gesamten Landesfläche unter Naturschutz steht. Hier säumen Regenwälder, Vulkane, Karibikstrände und Hochländer die geschützten Flächen. Doch auch in den Großstädten wie San José fühlen sich die landesbekannten Exoten, wie zum Beispiel Faultiere, pudelwohl.

Wann immer wir in San José, der Hauptstadt Costa Ricas waren, kamen wir bei der wundervollen Gastgeberin Leticia unter. Auf Grund von Marens außergewöhnlichen Spanischkenntnissen, öffneten sich uns völlig neue Tore in die Kultur und Welt der Ticos. Während unseres Aufenthaltes konnten wir kommen und gehen, wann immer wir wollten und im Endeffekt nur die tatsächlichen Übernachtungen zahlen. Das verschaffte uns einen unglaublichen Komfort. Costa Rica lässt sich wie die meisten anderen Länder der Welt natürlich am besten mit dem Auto bereisen. Man kann sich vollster Flexibilität erfreuen, die sich zu absoluter Freiheit manifestiert, wenn man dazu noch außerhalb der Nebensaison reist – in Costa Rica ist es schließlich fast immer warm, solange man nicht auf dem Gipfel des über 3.000 Meter hohen Volcán Irazú nahe der Hauptstadt steht.

Es muss nicht immer die Hauptsaison sein. Meistens sind die Erfahrungen und Abenteuer, die man außerhalb erfährt, mehr wert, als alles andere.

Unsere Reise startete in Richtung Peninsula de Osa und dem Corcovado Nationalpark, welcher auch aus den Filmreihen Jurassic Park bekannt ist. Wir entscheiden uns allerdings dazu, eine Route entlang der Pazifikküste zu wählen, da es schließlich heißt, der Weg ist das Ziel. Bei Tarcoles passieren wir eine Brücke, die uns über eine Ansammlung von über 30 ausgewachsenen, sonnenbadenden Krokodilen in einem Flussbett führt. Hier halten wir uns nur kurz auf und nehmen wenig später eine Bergauffahrt zum sogenannten „Catarata Manantial de Agua Viva“. Unsere erste Offroad-Erfahrung auf den berüchtigten Bergstraßen des Landes. Ein wenig mulmig war uns schon, allerdings entschieden wir uns, es bis zum kleinen Parkplatz durchzuziehen. Bei tropischen 35° Celsius, 100% Luftfeuchtigkeit und kaum Wasser im Gepäck machten wir uns auf zur 45-minütigen Wanderung zum, laut Parkwächter, höchsten Wasserfalls Costa Ricas. Der Abstieg war schnell gemacht, der Aufstieg zurück erforderte allerdings all unsere Kraft und Reserven.

Immer genügend Wasser mitnehmen! Auch wenn es angeblich nur 45 Minuten sind – andere Länder, andere Sitten.

Die anschließende Fahrt führt uns letztendlich bis in den Manuel-Antonio-Nationalpark an Costa Ricas Westküste, an den Pazifik. Hier verbringen wir unsere erste spontane Nacht, wie bereits erwähnt, in der Nebensaison sind die Preise aller Unterkünfte weitaus günstiger und lassen sich durch schlichtes Nachfragen direkt reservieren. So kam es, dass unsere erste Unterkunft nur der erste von vielen atemberaubenden Glückstreffern war. Am darauffolgenden Tag frühstücken wir bei einem französischen Auswanderer und seiner costa-ricanischen Frau. Beide sprechen lieber Spanisch, also führen wir, als einzige Gäste, eine wunderbare Unterhaltung bei traumhaftem Kaffee und französischen Spezialitäten mit Blick über den in den Pazifik mündenden Regenwald.

Die schönsten Erfahrungen können auf den simpelsten und spontansten Entscheidungen basieren – das wichtigste ist, dass man sie niemals bereut.