Hier geht's zum ersten Teil von Jannis' Blogartikel Costa Rica Teil 1

Weiterhin befinden wir uns auf der Reise zu unserem ersten großen Ziel, dem Corcovado Nationalpark. Ein weiterer Zwischenstopp sollte allerdings der Playa Ballena – ein Walflossen-ähnlicher Strand. Wir biegen allerdings schon zuvor ab, da wir ein Schild entdecken, welches uns auf spanischer Sprache Wal-Touren anbietet. Wir entscheiden uns kurzerhand, dieses Angebot anzunehmen und befinden uns nur eine Stunde später, zusammen mit einem weiteren Pärchen auf einem kleinen Motorboot. Mal wieder die richtige Entscheidung zur richtigen Zeit getroffen. Als wir an der Beobachtungsstelle mitten im Pazifik eintreffen, dampfen die letzten vollgepackten Boote ab und wir befinden uns in völliger Ruhe. Eine Buckelwal-Mutter und ihr Kalb ließen nicht lange auf sich warten und näherten sich letztendlich bis auf weniger Meter unserem Boot. Ein unglaubliches Erlebnis! Nachdem uns eine Riesenschildkröte noch unerwarteten Besuch abstattete sprangen wir vom Boot, mitten in den Pazifik, die Wale noch weiterhin in der Ferne sichtbar und nahmen ein angenehmes Bad vor einer kleinen Insel, die einzig und allein tausenden von brütenden Vögeln reserviert war.

Tauche in die Kultur ein.

Über auf- und absteigende Straßen, durch Wolken, Regen, Sonne und Nebelwälder führte uns der Weg letztendlich nach Puerto Jimenez – einer alten Hafenstadt am Rande des Nationalparks Corcovado. Auf unseren Touren hielten wir immer wieder an den kleinen „Sodas“ an. Hier gab es oft sehr günstig sehr gutes, typisches costa-ricanisches Essen. Eier, Bohnen, Hähnchen, Salat, frittierte Platanos (Riesenbananen) und mehr gab es als häufigstes Gericht – „Casado“ genannt. Angekommen in Puerto Jimenez kamen wir mal wieder sehr spontan in den Cabinas Jimenez unter und erhielten ein Upgrade ohne Aufpreis. Eine überdachte Terrasse mit Küche unter Palmen, einem Direktzugang zum pazifischen Strand und wunderbare Gesellschaft durch farbenprächtige Aras beim Frühstück, was will man mehr?

Es ist nie zu spät, Entscheidungen zu treffen. Auch wenn man noch einmal wiederkommen muss, um sie letztendlich zu treffen.

Leider schafften wir es nicht, uns während der vier Tage Aufenthalt auf eine der langen, geführten Touren durch den Nationalpark zu begeben. Dafür besuchten wir einen traumhaft paradiesischen Strand, zu welchem die Fahrt durch den Dschungel schon ein Abenteuer für sich war. Auch trafen wir vorher noch auf ein paar Brüllaffen, hoch in den Baumwipfeln. Als wir Puerto Jimenez verließen, plagte uns jedoch das Gewissen, dort gewesen zu sein und es nicht einmal in den Park geschafft zu haben. Wie entschieden uns, eine Abzweigung in Richtung Bahia Drake zu nehmen, um dort eine Tour durch die Mangroven kombiniert mit einer Wanderung durch den Park zu unternehmen. Auf halber Strecke wurde uns allerdings auch dieses Unterfangen unterschlagen, als es von einem Einwohner hieß, dass eine Brücke, die dort hinführt auf Grund heftiger Regenfälle eingestürzt sei. Mist! Costa Rica, wir sehen uns definitiv wieder!

Unser nächstes, spontanes Ziel führte uns in den Nationalpark Piedras Blancas bei Golfito und nahe der panamaischen Grenze. Diesmal wollten wir endlich eine geführte Tour durch den Regenwald machen. Eine gute halbe Stunde von der Rainforest Lodge entfernt, nahmen wir uns wieder mal ein günstiges, aber unglaublich schönes Zimmer. Am nächsten Tag trafen wir uns mit unserem Guide, welcher uns auf einer kurzen aber sehr schönen Wanderung durch den Dschungel von Piedras Blancas führte. Hier trafen wir unter anderem auf eine der giftigsten Vipern der Welt, sowie auf zahlreiche Echsen, wie zum Beispiel der Jesus-Christus-Echse, welche bei Gefahr über Wasser rennen kann.

Im Anschluss machten wir uns erst einmal wieder auf in Richtung San José, denn schon war bereits eine gute Woche herum. Natürlich kamen wir wieder bei Leticia unter und verbrachten einige, wenige Tage mit der Familie in der Hauptstadt. Auf dem Weg nach Monteverde, eine der typischsten Regionen Costa Ricas, statteten wir den La Paz Waterfall Gardens einen Besuch ab. La Paz bietet neben atemberaubenden Wasserfällen auch ein Refugio für misshandelte, verletzte und gefährdete Tiere – Tiere, die auch in erster Linie nicht in freier Wildbahn überleben könnten. Costa Rica ist bekannt für die Sorgfalt, mit der die Einwohner des Landes für den Schutz der Artenvielfalt als auch der Natur einstehen.

Nun aber sollte es endlich Richtung Monteverde und Volcán Arenal gehen. Dieser Vulkan ist besonders bekannt durch seine auffällig spitze Zuckerhut-Form – er zählt zu einem der vielen aktiven Vulkane in Costa Rica, ist momentan allerdings recht ruhig. Auf diese Majestät hatten wir einen unglaublichen Ausblick von unserer Lodge aus – wer hätte es erwartet, mal wieder ein absoluter Glücksgriff, weshalb wir hier sofort drei Nächte verbrachten. Die Lodge lag auf ungefähr 1.700 Metern Höhe und war nur über eine extrem beschädigte Bergstraße erreichbar. Wir hörten später vom Besitzer, der uns wiedermal nahezu als einzige Gäste vor Ort hatte, dass viele Leute ihre Buchung stornieren mussten, die ihre Fahrzeuge nicht für eine solch steile und felsige Auffahrt ausgelegt waren und sie somit umdrehen mussten.

Unsere erste Wanderung an diesem sagenhaften Ort führte uns in die atemberaubenden und typischen Nebelwälder der Region. Uns wurde allerdings geraten, nicht direkt das touristische Monteverde-Reservat aufzusuchen, sondern vielmehr den Santa-Elena-Park zu erkunden – weniger Touristen, günstigere Preise und viel mehr Ruhe. Eines meiner größten Ziele in Costa Rica war es, die berüchtigten Hängebrücken, die über die Baumdächer des Regenwaldes führen, zu überqueren. In Santa Elena war es dann endlich soweit. Wir überquerten acht oder neun Brücken, umgeben von einer atemberaubenden Geräuschkulisse und einer extrem hohen Luftfeuchtigkeit – Dschungel, wie man ihn sich wünscht. Das Licht, welches durch die Bäume schien war mehr als mystisch, ab und zu ließ sich die Sonne blicken, doch im dichten Wald waberte eine dünne Nebelschicht durch die überdimensionalen Blätter der Bäume und Sträucher.

Immer mal wieder wurde die eindringlich natürliche Ruhe vom sogenannten Canope unterbrochen. Canope ist eine Art Seil-Rutsche, die für die Regenwälder Costa Ricas typisch ist, um Adrenalin-Junkies das gewisse Etwas mitten im Regenwald zu liefern. Das muss ein atemberaubendes Gefühl sein, über mehrere Kilometer durch eine solch unwirkliche Umgebung zu „fliegen“. Wie beließen es allerdings bei einem gemütlichen Spaziergang durch den Regenwald und liefen im weiteren Verlauf weiteren Bewohnern des Waldes, wie etwa Schlangen, Tausendfüßler und einem Gürteltier über den Weg. Am letzten Morgen unseres Aufenthaltes in der Lodge oberhalb des Parks, ließen wir es gemütlich angehen, mit einem wunderbaren Frühstück und dem Luxus, die einzigen Gäste weit und breit zu sein. Nach rund zwei Stunden verzog sich dann auch endlich der Nebel und wir konnten endlich einen klaren Blick auf den charakteristischen Volcán Arenal erhaschen. Bevor es zurück nach San José ging, wurde uns ans Herz gelegt, den Rio Celeste am Fuße des Volcán Tenorio zu besuchen. „Celeste“ bedeutet so viel wie himmelblau oder auch einfach nur hellblau – die Farbe, die den Vulkan-Fluss ausmacht.

Der ruhig dahinfließende Strom mündet in diesen gewaltigen Wasserfall – Catarata Río Celeste – welcher seit Jahrtausenden, wenn nicht sogar Jahrmillionen seinen Weg durch die schroffen Felswände bahnt. Als Besucher kann man hier fast gänzlich bis ans Wasser herantreten, allerdings war mir die Perspektive durch die Bäume und Lianen als Fenster mit Blick auf das Naturschauspiel lieber. Es muss ein Sonntag gewesen sein, denn es wir waren bei weitem nicht die einzigen, die die zweistündige Wanderung entlang des Flusslaufes auf sich nahmen. Dummerweise lehnten wir das Angebot, Gummistiefel für umgerechnet einen Dollar auszuleihen dankend ab – auf Grund heftiger Regenfälle (schließlich war es immer noch Regenzeit und auch an diesem Tag regnete es) glich die Wanderung einer Tough-Mudder-Challenge.

Der Grund, warum der Río Celeste seine charakteristische Farbe erhält, liegt in einer chemischen Reaktion – naheliegend. Die Wanderung führt bis zu der Stelle, an der mineralienhaltiges Wasser auf einen anderen Bachlauf trifft. Auf dem Trail fiel mir für eine längere Zeit ein übler Geruch auf, welcher einer monatelang genutzten und nicht geputzten öffentlichen Toilette glich. Zuerst dachte ich, dass es sich um übermäßige Ausscheidungen der unzähligen tierischen Waldbewohner handelte, allerdings entpuppte sich die Quelle als harmlose, heiße Quelle, aus welcher beißender Schwefelgeruch austrat – mal wieder eine Premiere für mich und ich ein kleines Stück reicher an Erfahrungen. Eine weitere Erfahrung, auf die ich und auch Maren allerdings sehr gern verzichtet hätten, war die wie oft zu erwartende Reisekrankheit, die einen bei Aufenthalten in unter anderem südamerikanischen Ländern gern heimsucht. Kurz nachdem wir den langen Weg zurück nach San José hinter uns gebracht hatten, ging die radikale Magenreinigung erst bei Maren los, zwei Tage später war ich dann an der Reihe. Vier volle Tage hatte uns dieses Spektakel gekostet und wir wissen bis heute nicht, was hierfür der Auslöser war – es könnte falsch gekochtes Hähnchen, Leitungswasser, Aufregung oder sonstiges gewesen sein – ich halte immer noch an meiner Schwefeltheorie als Auslöser fest, aber was weiß ich schon. Wichtig ist in einer solchen Situation bestmögliches Wohlbefinden und mehr als ausreichende Flüssigkeitsrückführung, da ansonsten Dehydrierung droht. Die gängigen Apotheken der Städte sind für diese Fälle bestens mit Kanistern von Elektrolyt-Lösungen vorbereitet.