Es gibt Momente, da steht um mich herum alles still und ich bin nur auf die Natur um mich herum fokussiert. Dann ist alles ausgeblendet, was diesen kleinen Kosmos aus mir und ihr stö-ren könnte. Ich denke, dass das ein kleines Stück Glückseligkeit ist, das ich so erfahren darf. Es ist, wenn der Nebel um mich tanzt.

Am eindrucksvollsten ist dieser Moment des tanzenden Nebels, wenn ich ihn in den Bergen erleben darf. Vor allem am frühen Morgen, wenn sich die Weiden in den Tälern und die Berg-wiesen auf den Höhenlagen mit dem Tau der Nacht vollgesogen haben und dann die ersten Sonnenstrahlen des Tages auf diese glitzernden Gräser und Blumen schmückenden Juwelen fällt und diese verdunsten lässt, erwachen die Schwaden. Leicht und besonnen flieht der Nebel dann aufwärts dem Himmel entgegen, dreht sich um sich selbst, überschlägt sich übermütig, bleibt in einem ernst am Hang stehenden Baum hängen um nur kurz darauf in kleine Fetzen zu zerreißen. Die morgendliche Sonne erleuchtet dieses Schauspiel in warmen Farben und die Welt erwacht mit einem kleinen Konzert der Vögel.

Aber auch an einem verregneten Tag trifft man in den Bergen auf Nebel. Zwar weniger tänzelnd und mehr melancholisch drückend, doch auch dieses Bild fasziniert. Mit einem dampfenden Tee in der Hand lässt sich durch die Regentropfen, die die Fensterscheibe hinunterhuschen, diesen langsam ziehenden Riesen zusehen. Es scheint als ob das dichte und schwere Weiß dieser Wolken- und Nebelschwaden die ganze Welt auszufüllen versucht, nur hier und da kann sich ein dunkler Baumwipfel aus dem Gespinst drücken. Wie ein Schattenspiel werden Formen und Strukturen sichtbar. Zieht man dann den Regenmantel über und geht nach draußen, scheint man der Natur ganz nah zu sein. Die Feuchte der Luft kühlt die Backen, von den Zweigen tropft es langsam aber stetig auf die Kapuze und alles um einen herum riecht frisch und rein.

Zuletzt fasziniert mich immer, wenn sich plötzlich aus dem Nichts an einer Bergflanke eine Wolkenschicht hinaufschiebt und über einen Grat jagt. Gerade noch in der wärmsten Sonne gewandert, kühlt sich die Luft schlagartig ab und die Schwaden stürzen sich Purzelbäume schlagend von der einen Bergseite auf die andere. Kurzzeitig ist um einen herum nur noch eine weiße Wand, bis der Blick wieder aufklart und der Spuk vorbei ist. Als ob die sonst so oft idyllische Berglandschaft eine Warnung aussprechen will: „Vertrau nicht allein auf die Sonne, es kann auch ungemütlich werden, wenn du nicht aufpasst!“ Dennoch ein einzigartiges Schauspiel, dass mich jedes Mal aufs Neue das Atmen vergessen lässt und mit einem Gefühl der Erhaben-heit zurücklässt. Jeder hat so einen Moment, wenn er die Natur liebt. Nebel, Sonnenauf- oder Sonnenuntergang, Schäfchenwolken am blauen Himmel, Sturm…

... was ist dein Moment, bei dem du eins mit der Natur bist?