Auf und davon - Nachdem ich euch im ersten Blogbeitrag über Land und Leute Kolumbiens berichtet habe, handelt der zweite Teil von meiner persönlichen Reise + meinen Eindrücken und hält den ein oder anderen Tipp für euch bereit ;)

Es geht los – Stadt, Land, Paradies

Am 8.Februar 2019 packte ich meine sieben Sachen und startete in das bisher größte Abenteuer meines Lebens.
Mit vollgepackten Rucksack machte ich mich auf den Weg nach Cali, die Hauptstadt des Salsas. Die Aufregung war groß und die Vorfreude noch größer.
Zum ersten Mal ging es für mich über die Grenzen Europas hinaus und ich wusste nicht was mich dort erwartet. Umso besser, dass ich nicht alleine war.
Denn direkt am Flughafen in Cali erwartete mich Dani, ein guter Freund aus Österreich, der zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehreren Monaten in Südamerika unterwegs war. Kolumbien wollten wir gemeinsam bereisen – also los :)

Kolumbien Dani Rebekka

Von unserem Startpunkt Cali gibt es nicht viel zu berichten.
Mit 2,4 Millionen Einwohnern ist sie nach Bogotá und Medellín die drittgrößte Stadt in Kolumbien und vor allem für aufregende Salsa Club’s bekannt. Lust auf Salsa tanzen hatten wir aber nicht und einige schlechte Erfahrungen anderer Reisender machten uns diese Stadt nicht gerade schmackhaft.
Egal. Wir wollten ohnehin in die Natur.

Kolumbien Cali

Also mal schauen, wo es den anderen Hostelbewohnern bisher am besten gefallen hat ;)
Ein Ort, der oft genannt wurde war die Pazifikküste. Unberührte Strände, dichter Dschungel und kaum Touristen.
Viele Leute und unzählige Blogs berichteten von diesem Ort und beschrieben ihn als Rohdiamant Kolumbiens.

Ohne Zweifel, da wollten wir hin!
3 Stunden Busfahren später kamen wir in Buenaventura an, dem größten Hafen Kolumbiens. Von dort aus ging es ca. 1 Stunde mit dem Boot nach Juanchaco, eine kleine Insel mitten im Pazifik. Eingebettet zwischen Einheimischen und einem Haufen Lebensmittel machten wir es uns als die zwei einzigen Touristen gemütlich. Einer der Crewmitglieder legte Musik auf und wir sausten mit dem klapprigen Boot über das Meer - ein unglaubliches Gefühl von Friede und Freiheit breitete sich in mir aus und so verbrachte ich eine meditative Stunde auf dem Ozean.
Ich hatte noch keine Ahnung, welche großartigen Dinge noch auf uns zukommen würden, aber das Gefühl gab mir recht.

Kolumbien Boot

Auf Juanchaco gibt es praktisch nichts. Nur ein kleines Dorf mit kaum mehr als 100 Einwohnern, Kokosbäumen und dem endlosen Blick auf den stillschweigenden Ozean. Auf der Insel angekommen begleitete uns ein freundlicher Local namens „Cuaca“ zu unserem Hostel. Nach einem 10-minütigen Fußmarsch waren wir da, in unserer Heimat für die nächste Woche, dem Pacifico Hostel.
Das Wort Paradies wurde wohl für diesen Ort erfunden. So verbrachten wir unsere Tage mit Ausflügen in den Dschungel, dem Entdecken unzähliger Wasserfälle, stundenlangem Chillen in der Hängematte und selbstverständlich gutem Essen :)
Und ich durfte den schönsten Sonnenuntergang meines bisherigen Lebens erleben.
Hier ist ein Ort, wo man einfach nur den Moment erlebt und tut worauf man gerade Lust hat. Nach einer Woche verabschiedeten wir uns schweren Herzens vom Pacifico Hostel und all den Leuten, die ihre Zeit mit uns teilten und diese Insel mit Leben füllten.

Kolumbien Wasserfall
Sonnenuntergang Meer

Kaffee, Palmen und... Kaffee.

Vom Strand aus ging es weiter in die Berge, nach Salento - der grünen Kaffeeregion Kolumbiens.
Salento ist vor allem für zwei Dinge bekannt.
1. Für riesengroße Kaffeeplantagen und vorzüglichen Kaffee.
2. Für Wanderungen im „Cocora Valley“ und die weltweit höchsten Wachspalmen, die bis zu 60 Meter in den Himmel wachsen.

Wachspalmen Himmel

Der Aufenthalt in Salento war für mich vor allem eines: magisch.
Der Kaffee und das Besichtigen einer Kaffeeplantage war der perfekte Bonus und ich kann es sehr weiterempfehlen, aber der Ausflug in das „Cocora Valley“ war atemberaubend. Ganz früh am Morgen machten wir uns auf den Weg in Richtung Hauptplatz. Von dort aus konnte man alle paar Minuten mit einem Jeep zum sogenannten Valle de Cocora gebracht werden. Allein die 20-minütige Fahrt dorthin war schon ein Highlight und machte unglaublich viel Spaß.

Im „Cocora Valley“ angekommen, entschieden wir uns für den bekannten Rundwanderweg, der einen durch das Tal führt und die gigantischen Wachspalmen bestaunen lässt. Jedoch gingen wir gegen den Uhrzeigersinn, das bedeutete, dass wir die riesengroßen Palmen erst im letzten Teil unserer Wanderung zu Gesicht bekommen würden.
„Umso besser“, dachte ich mir. Ich hab es gerne, wenn man sich den schönsten Teil bis zum Schluss aufhebt.

Salento valle de cocora

Also gingen wir los und folgten dem Weg hinauf auf dem Berg. Quer durch den Wald, über wilde Bäche und morsche Brücken, führte uns der Pfad durch die dichten Pflanzen und ließ die Vorfreude auf die Palmen steigen.

Brücke Urwald

Nach ein paar Kilometern bergauf Wandern kamen wir zum Casa del Colibri, einer kleinen Hütte, die für eine kurze Pause bestens geeignet war. Also tranken wir Kakao mit Käse (eine Spezialität in Salento) und beobachteten die Kolibris, die mithilfe von Zuckerwasser angelockt wurden.

Weiter geht’s, bis auf den Gipfel. Der stärkste Teil lag hinter uns und der Ausblick wunderschön.
Wachspalmen konnte ich allerdings noch keine erblicken. Als wir uns auf den Weg nach unten machten, zog sich der Himmel zu und dichter Nebel verschlang die Landschaft. Wir waren etwas mürrisch über den plötzlichen Nebel, so war unser Ausblick auf die Wachspalmen, die doch jeden Augenblick erscheinen sollten, versperrt. Doch da, plötzlich tauchten die ersten Palmenblätter aus dem Nichts auf.
Eines nach dem anderen. Und der Nebel stellte sich als beste Sache an diesem Tag heraus.
Ich habe selten einen so einzigartigen Ausblick in meinem Leben gesehen. Seht selbst:

Wachspalmen Nebel
Wachspalmen Nebel zwei

Ich fühlte mich mit der Welt und mir selbst vollkommen in Reinen und eine große Ruhe breitete sich aus. Da saßen wir also, knapp eine Stunde, Dani machte einen Mittagsschlaf und ich starrte auf die gigantischen Palmen.

Ich kam mir vor wie in einem Märchen oder Teil des Films Prinzessin Mononoke und träumte einfach vor mich hin.
„Von mir aus kann dieser Moment nie vergehen“, dachte ich mir und versuchte meine Gefühle festzuhalten, um mich später im Alltag daran zu erinnern; um Kraft daraus zu schöpfen.

Mit ausgeglichener Stimmung und tiefer Dankbarkeit verließ ich das Valle de Cocora, ein Ort, an den ich mich mit Sicherheit noch lange zurück erinnern werde.

Kolumbien Salento

Wie würde ich meine Zeit in Kolumbiens Natur also abschließend beschreiben?

Die Natur ist wie überall einfach da. Wunderschön und einzigartig und fragt nach keiner Aufmerksamkeit.
Wenn du dich auf sie einlässt und deine Zeit in der Natur bewusst verbringst, dann gibt sie dir mehr als du dir vorstellen kannst.
Sie schenkt dir Ruhe, hilft dir über dich selbst zu reflektieren, eröffnet dir neue unbekannte Gedanken und Wege und lässt ein Gefühl von Freiheit entstehen, dass den Moment unendlich werden lässt.

Sonnenuntergang Boot

Weil ich viel zu viel schreibe und noch nicht fertig erzählt habe, geht es im dritten und letzten Teil um die Städte und Menschen. Wenn du also noch Lust hast noch mehr über Kolumbien zu lesen, dann freu ich mich, wenn du nächste Woche zum letzten Teil vorbeischaust! :)