Als Hotelzimmer diente uns nachts nur das Auto. Mit ein paar Eckpunkten, wo es circa hingehen soll, einem Gasgrill, einer Kühltasche und einer vollen Einkaufsliste im Kofferraum, ging es um 5 Uhr morgens los.

Nach 6 Stunden Autofahrt war das erste Ziel endlich erreicht; der Albulapass. Eine Wunderschöne Passstraße, die bis zu 2400 Meter über den Meeresspiegel führt. Anfangs wussten wir gar nicht wo wir zuerst hinsehen sollten! Wir liefen herum wie verrückte und bestiegen einen Hügel nach dem anderen, um uns auch den letzten möglichen Aussichtspunkt nicht entgehen zu lassen. Am Abend genossen wir noch ein kleines Lagerfeuer bevor wir uns dann auf 2400 Höhenmetern schlafen legten; ziemlich nettes Gefühl! Als wir am nächsten Morgen aufwachten konnten wir unseren Augen kaum trauen; der erste Schneefall! Die eisige Kälte trieb uns jedoch sofort wieder zurück nach unten in die Zivilisation; und so ging es weiter.

Die meiste restliche Zeit unserer Reise war der Weg das Ziel. Wir peilten Lauterbrunnen an und danach Lugano. Während der Fahrt ließen wir uns von der unglaublichen Vielfalt der Schweiz überwältigen. Eine Menge von 3000ern wie noch nie zuvor gesehen, unzählige, fast türkisfarbene Bergseen und hübsche Mädchen soweit das Auge reicht, machten es mir zur Herausforderung mich auf die Straße zu konzertieren!

Was mir von dem ganzen Trip am besten gefiel, war wahrscheinlich Wanderung auf das Augstmatthorn. Ich könnte fast ein Buch darüber schreiben! Wir mussten circa eine Stunde am Ausgangspunkt warten, weil der Regen zu stark war. Der Wind, die Kälte und der übertrieben schlammige Wanderweg waren danach jedoch nicht mehr zu vermeiden. Oben angekommen, weit und breit kein Mensch zu sehen, erwartete uns die wahrscheinlich schönste Aussicht, die wir bisher betrachten durften. Ein Bild verrät nicht, wie viel Arbeit, Liebe und vor allem wie viele Geschichten dahinterstecken. Man sieht immer nur das Endergebnis. Denkt dabei oft nicht an die Stundenlange Autofahrt, an die Kälte, den starken Wind oder die anstrengende Wanderung zuvor. Teilweise ist das echt harte Arbeit, aber von der richtigen Perspektive gesehen, lohnt es sich einfach immer. Klar, ein schönes Foto zu betrachten macht Freude. Noch mehr Freude macht es, selbst den Auslöser dafür zu drücken!

Am Mont Bre in Lugano kamen wir erst spät in der Nacht an, das ist der beste Zeitpunkt, meiner Meinung nach: wenn es stockdunkel ist. Du siehst die Aussicht nur ganz schwach und bist gespannt wie sie bei Tageslicht aussieht. Dann wachst du auf und du fühlst dich als würden all die Alltagsregeln für dich einfach nicht gelten, denn du bist einer der ganz wenigen Menschen, die schon wach sind. Die Stille, die Aussicht. Die Kälte wirkt besser als jeder Espresso. Nicht zu vergessen das selbstgekochte Frühstück vor Ort; ich kann mir keinen besseren Start in den Tag vorstellen.

Leider spielte das Wetter auch am vorletzten Tag nicht so mit wie erhofft. Also beschlossen wir einen Tag früher abzureisen um die letzte Nacht unserer Reise am Plansee in Tirol zu verbringen. Als wir nach einem wunderschönen Sonnenaufgang am nächsten Morgen das Auto starten wollten, um uns auf die Heimreise zu machen, sprang es plötzlich nicht mehr an. Zwei Stunden mussten wir dort auf die Pannenhilfe warten; jedoch ohne jeglichen Beschwerden! Mein 3er BMW hatte sich den wahrscheinlich besten Ort ausgesucht um den Geist aufzugeben. Wir genossen die aufsteigende Sonne, spazierten ein wenig herum und ließen den ganzen Ausflug noch einmal Revue passieren. No complaints!

Übrigens konnte die Werkstatt das Auto nicht sofort reparieren, also ging es dann mit dem Leihauto nach Hause. Ein paar Tage später durfte ich dann eine insgesamt 9-Stündige Reise auf mich nehmen, um mein Auto abzuholen - aber das war es auf jeden Fall wert!